Theaterkunst Talk

NAKED WITHOUT COSTUME

Die Initiative NAKED WITHOUT COSTUME entstand aus dem gemeinsamen Gefühl vieler Kostümbildner*innen, mit ihrer künstlerischen Arbeit oft unsichtbar zu bleiben. Trotz ihres wesentlichen Beitrags zur Wirkung von Film-, Serien- und Theaterproduktionen fehlt es häufig an Anerkennung und Sichtbarkeit. Aus diesem Austausch heraus formierte sich ein Zusammenschluss, der sich für eine stärkere Wertschätzung, bessere Arbeitsbedingungen und eine gleichberechtigte Position des Kostümbilds im kreativen Prozess einsetzt. Mit einem klar formulierten Manifest und ersten öffentlichen Aktionen verfolgt die Initiative das Ziel, das Bewusstsein für die Bedeutung des Kostümbilds nachhaltig zu stärken.

Wir haben mit den Initiatorinnen gesprochen.

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Theaterkunst

NAKED WITHOUT COSTUME

Wie ist die Idee zu NAKED WITHOUT COSTUME entstanden und wer sind die Initiatoren?

Die Idee zu NAKED WITHOUT COSTUME entstand aus einer geteilten Erfahrung: dem Gefühl, mit der eigenen künstlerischen Arbeit unsichtbar zu sein. Eine Gruppe gleichgesinnter Kostümbildnerinnen – verbunden durch die Leidenschaft für ihr Handwerk und die Frustration über mangelnde Anerkennung – begann, miteinander zu sprechen. Über Produktionen, bei denen das Kostümbild das Publikum berührt, aber kaum Erwähnung findet. Über Premieren, bei denen andere Gewerke selbstverständlich im Rampenlicht stehen, während die Kostümbildnerin im Dunkeln bleibt.

Aus diesen Gesprächen wurde eine Initiative. NAKED WITHOUT COSTUME macht sichtbar, was oft als selbstverständlich wahrgenommen wird: dass Kostüme nicht „einfach da“ sind. Dass hinter jedem Stück Stoff eine künstlerische Entscheidung, eine Recherche, eine Haltung steckt. Die Initator*Innen verstehen ihre Arbeit als kollektiven Akt: gemeinsam für mehr Sichtbarkeit, faire Anerkennung und einen gleichberechtigten Platz im kreativen Team einzustehen.

Ihr habt ein Manifest für das Gewerk Kostümbild geschrieben. Was beinhaltet es?

Das Manifest von NAKED WITHOUT COSTUME stellt klar: Kostümbild ist eine eigenständige künstlerische Leistung. Die gesamte Abteilung verdient faire Arbeitsbedingungen, gerechte Vergütung und echte Wertschätzung. Die Initiative macht sich stark für die Sichtbarkeit von Kostümbildner*innen und allen weiteren Positionen des Kostümdepartments – in Credits, in der Presse, in Jurys und überall dort, wo Entscheidungen getroffen werden.

Darüber hinaus fordern wir eine zukunftsfähige Branche, die sich diverser und inklusiver ausrichtet und in jeder Hinsicht Nachhaltigkeit konsequent in den Fokus nimmt. Von den Filmhochschulen fordern wir eigene Studiengänge für die fachliche Ausbildung und frühe Etablierung von Kostümdepartments als relevante Teile des künstlerischen Kernteams.

Unser Manifest ist ein solidarischer Aufruf: Zur stärkeren Vernetzung innerhalb des Gewerks und zu einem bewussteren Umgang mit unserer Arbeit – sowohl innerhalb der Branche als auch in der Wahrnehmung durch das Publikum.

Euren ersten großen Aufschlag hattet ihr bei der diesjährigen Berlinale. Welche anderen Aktionen plant ihr für die Zukunft?

Die Berlinale war erst der Anfang. Als nächstes großes Ziel haben wir den Deutschen Filmpreis im Blick. Auch dort wollen wir als NAKED WITHOUT COSTUME sichtbar sein und ein Zeichen setzen. Darüber hinaus planen wir, das Thema Kostümbild breiter in die Öffentlichkeit zu tragen: Panels, Interventionen, Ausstellungen und Gespräche. Formate, die unser Gewerk in den Fokus rücken und Diskurse anstoßen. Und natürlich weiter über unsere Social-Media-Kanäle. Wir wollen überall dort präsent sein, wo über Film und Fernsehen gesprochen und entschieden wird.

Was ist euer größter Wunsch für das Gewerk Kostümbild?

Wir wünschen uns, dass jedes Kostümbild und die Arbeit daran als das gesehen wird, was es ist: eine gemeinschaftliche, schöpferische, dramaturgische und hochkomplexe Arbeit, ohne die keine Figur wirklich lebendig wird. Kostümbild soll nicht nur als „Kleidung“ wahrgenommen werden, sondern als zentraler Bestandteil des Storytellings, der Figurenentwicklung, als Unterstützung oder sogar als Ausgangspunkt des darstellenden Spiels und damit essentieller Teil jeder narrativen Produktion.

Wir wünschen uns und unseren Teams faire Arbeitsbedingungen.

Und auf dem Weg dahin entsteht mit NAKED WITHOUT COSTUME idealerweise eine starke, solidarische Vernetzung aller Positionen des Kostümdepartments, die für ihre Sichtbarkeit gemeinsam einstehen und Spaß haben bei den gemeinsamen Aktionen.

Vielen Dank für das Interview!

Herzlichen Dank liebes Theaterkunst-Team für das Interview und die Unterstüzung. Es bedeutet uns viel, dass NAKED WITHOUT COSTUME auf diese Weise Raum und Aufmerksamkeit bekommt.