Theaterkunst Talk
Kate Hawley
Die Arbeit der neuseeländischen Kostümdesignerin Kate Hawley ist derzeit in der Neuverfilmung des Klassikers „Frankenstein“ zu sehen. Wir haben mit ihr über diese Produktion, ihre Liebe zu Kostümen und die Bedeutung ihres Handwerks gesprochen.
Kate Hawley stammt aus Wellington, Neuseeland. Nach ihrem Grafikdesign-Studium an der Wellington School of Design absolvierte sie einen Motley Theatre Design Course in London. Anschließend arbeitete sie in Theatern und Opernhäusern, bevor sie zum Film kam. Zu ihren Kostümdesign-Arbeiten zählen Produktionen wie Peter Jacksons „In meinem Himmel“ und Guillermo Del Toros „Der Hobbit“ sowie „Crimson Peak“. Auch Filme wie „Suicide Squad“ und „Mortal Engines“ tragen ihre Handschrift.
Für „Frankenstein“ arbeitete sie mit unserem Kostümhaus zusammen. Der Film unter der Regie von Guillermo del Toro wurde im November auf Netflix veröffentlicht. Er erzählt die Geschichte von Victor Frankenstein (Oscar Isaac), einem brillanten, aber egoistischen Wissenschaftler, der durch ein monströses Experiment eine Kreatur (Jacob Elordi) erschafft, was letztendlich sowohl für den Schöpfer als auch für seine tragische Schöpfung eine Katastrophe bedeutet.
Copyright: Netflix („Frankenstein“), Warner Bros. („Suicide Squad“ & „Der Hobbit“)
Theaterkunst
Kate Hawley
Was hat dich am Frankenstein-Projekt besonders angesprochen?
Guillermo führte Regie!! Und sein Drehbuch war so vielschichtig und emotional bewegend. Die Herausforderung, Frankenstein als Figur anzunehmen, hatte Gewicht, denn wir alle wussten, wie wichtig ihm dieses Projekt war. Und es war GROSS. Außerdem konnte ich wieder mit langjährigen und sehr geschätzten Kolleg*innen zusammenarbeiten.
Hast du dich den Kostümen mit historischer Genauigkeit oder künstlerischer Freiheit genähert? Worauf musstest du bei den Kostümen besonders achten?
Ich recherchiere immer gründlich die historischen Referenzen, aber das ist nur ein kleiner Teil meiner Arbeit. Ich lese die Begleitliteratur, informiere mich über die Kunstgeschichte der Zeit, studiere sowohl die geografische als auch die emotionale Landschaft und beginne oft mit einem Moment aus dem Drehbuch. Aber die treibende Kraft ist die Vision meines Regisseurs – die von Guillermo.
Frankenstein hat einen opernhaften Ton und ist ein eindringliches Melodram. Während wir also die Silhouetten historisch gehalten haben, gab es viel Freiheit. Man könnte es wohl als Guillermos „Fiebertraum dieser Zeit” beschreiben. Ein gotisches Märchen.
Gibt es ein zentrales Kostümteil oder einen Look, der die Essenz des Films verkörpert, oder gibt es ein Kostüm aus dem Film, auf das du besonders stolz bist?
Das ist eine schwierige Frage. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das konkret beantworten kann , aber ich kann sagen, dass ich es wirklich geliebt habe, gemeinsam mit meinem Team diese Welt zu erschaffen. Wir haben Stoffe und eine Sprache entwickelt, die die Bilder und den Ton widerspiegeln, die Guillermo in seinem Drehbuch geschaffen hat. Themen wie Mythologie, Religion, Erinnerung und ungezähmte Natur sind allgegenwärtig.
Wie bist du zum Kostümdesign gekommen und was begeistert dich an deinem Beruf?
Ich bin mit einer Liebe zu Büchern aufgewachsen – insbesondere zu Mythologien und Märchen – und unser Zuhause war von Opernmusik erfüllt. Ich glaube, dass mich diese Kindheit zum Kostümdesign hingezogen hat. Ich liebe es, Welten zu erschaffen und mit anderen zusammenzuarbeiten. Ich liebe die Herausforderung, eine Welt zu erschaffen, eine Atmosphäre zu kreieren und auf die „Landschaft“ zu reagieren, in der die Figuren existieren.
„Frankenstein“ war deine erste Zusammenarbeit mit Theaterkunst. Was ist dein Eindruck von unserem Haus und unseren Kostümen?
Es ist eine ganz besondere und sorgfältig zusammengestellte Kollektion. Ihr bietet etwas Besonderes, das eindeutig die europäische Ästhetik widerspiegelt.
Welchen Rat würdest du jungen Menschen geben, die in die Welt des Kostümdesigns einsteigen möchten?
Jeder, den ich kenne, hat einen anderen Weg eingeschlagen. Es scheint keinen bestimmten Weg zu geben. Aber engagiere dich an einem lokales Theater – lerne alle Aspekte des Handwerks kennen. Lerne, welche Werkzeuge benötigt werden, um deine Ideen zu vermitteln. Schau dir die Menschen in deinem Umfeld an, deren Arbeit du bewunderst, und lerne von ihnen. Ein großer Teil meiner Arbeit besteht darin, mit vielen anderen Menschen und Abteilungen zusammenzuarbeiten. Lerne zuzuhören! Höre deinem Regisseur und deinen Kollegen zu und sei immer offen für bessere Ideen. Sei kein Einzelkämpfer. Sei immer mutig. Es ist ein Prozess – du wirst nicht von Anfang an alles richtig machen.
Vielen Dank für das Interview und bis bald in der Theaterkunst!
Ich liebe die Theaterkunst und werde wiederkommen!