Theaterkunst Talk
Agata Culak
Die polnische Kostümbildnerin Agata Culak weist eine langjährige Karriere im Film- und Serienbereich vor. Sie absolvierte eine private Kunstschule im Fachbereich Kostüm und Maske, aber es waren die Kostüme, die sie faszinierten und bei denen sie blieb.
Agata ist zweifache Preisträgerin im Kostümbild beim Festiwal Polskich Filmów Fabularnych und war bereits mehrfach für den polnischen Filmpreis-„Orły“ (Polskiej Nagrody Filmowej) nominiert. Produktionen mit ihrer Kostümhandschrift sind u.a. „Breslau“, „Ikarus. Legenda Mietka Kosza“ und „Broad Peak“.
Am 11.2.2026 startet die polnische Miniserie „Die Bleikinder“ (im Original: „Olowiane dzieci“), die die wahre Geschichte der polnischen Ärztin Jolanta Wadowska-Król (Joanna Kulig) erzählt, die in den 1970er-Jahren eine Bleivergiftungs-Epidemie bei Kindern in der Nähe eines Stahlwerks entdeckt und sich gegen das kommunistische System stellt.
Copyright Portrait: Agata Culak
Theaterkunst
Agata Culak
Die Serie „Die Bleikinder“ spielt in den 1970er Jahren in Polen. Wie hast du dich auf das Projekt vobereitet?
Meinerseits gab es keine komplizierten Vorbereitungen. Ich fühle mich in den 1970er Jahren sehr wohl und mag sie sehr. Außerdem komme ich aus Schlesien, wo die gesamte Handlung dieser Serie spielt, daher liegt mir dieses Thema sehr am Herzen. Ich weiß, wie Katowice in den 1970er, 1980er und 1990er Jahren aussah. Ich bin dort aufgewachsen, ganz in der Nähe des Bergwerks. Natürlich musste ich recherchieren, wie Stahlarbeiter damals aussahen, also sprach ich mit der Tochter von Dr. Wadowska-Król, die mir Familienfotos aus dieser Zeit zeigte.
Inwiefern beeinflusst die politische und soziale Dimension der Serie deine Kostümwahl? Gibt es gewisse Elemente, die die gesellschaftlichen Zustände zeigen?
Die soziale und politische Dimension ist bei der Auswahl von Kostümen von großer Bedeutung. Ein Stahlarbeiter auf dem Weg zur Arbeit sieht ganz anders aus als ein Parteisekretär, Lehrer, Arzt, Künstler oder die Geschäftsleitung eines Stahlwerks. Wir sollten auch bedenken, dass es damals noch keine Kleidungskollektionen gab, die wie heute jedes Quartal wechselten. Frauen waren sehr einfallsreich und kreativ beim Ausbessern und Herstellen von Kleidung, aber auch die soziale und materielle Dimension spielte eine wichtige Rolle. Es war eine Zeit, in der Kleidung mehrere Jahre lang getragen wurde und jüngere Geschwister oft die Kleidung der Älteren auftrugen. Es liegt auf der Hand, dass eine Ärztin anders aussieht als die Frau eines Stahlarbeiters.
In dieser Geschichte gibt es zwei Ärzte, die ebenfalls voneinander unterschieden werden mussten. Der eine ist Professor und Leiter einer Kinderklinik, der zu Symposien ins Ausland reist und Zugang zu Kleidung aus dem Ausland sowie die finanziellen Mittel hat, um in Pewex-Geschäften einzukaufen (damals gab es in Polen eine Ladenkette, in der man westliche Produkte für Dollar kaufen konnte). Der andere ist ein Arzt aus einer örtlichen Klinik, dessen materieller Status viel geringer ist. Auch das muss durch die Kostüme zum Ausdruck kommen. In dieser Geschichte galt es, eine Welt von hart arbeitenden Stahlarbeitern und ihren Familien, insbesondere Kindern, zu schaffen, eine Welt der Parteimacht, die versucht, unangenehme Tatsachen zu verschleiern, und eine Kämpferin, die sich entscheidet, dem Leid der Kinder nicht gleichgültig gegenüberzustehen und in ihrem Kampf gegen die Behörden nicht aufzugeben.
Du warst inzwischen mehrfach bei uns in der Theaterkunst. Was magst du besonders an unserem Fundus?
Ich mag Kostümäuser sehr, besonders wenn alles nach Jahrzehnten sortiert ist, was mir die Arbeit sehr erleichtert. Außerdem haben Sie sehr freundliche Mitarbeiter, die hilfsbereit sind und sich wirklich gut mit Kostümen auskennen. Ich komme gerne wieder zu Ihnen, finde immer etwas Neues und Inspirierendes, Sie haben eine ganz andere Qualität an Kostümen und ich liebe Ihre Abteilung für patinierte Kostüme.
Wie bist du zum Kostümdesign gekommen und was begeistert dich an deinem Beruf?
Ich habe großes Glück gehabt, denn ich bin der Einzige aus meinem Abschlussjahrgang, die im Bereich Film und Fernsehen arbeitet. Ich war schon immer fasziniert von der Schaffung visueller Welten, davon, was im Gehirn passiert, wenn man Texte liest und die Vorstellungskraft beginnt, eine Straße, Autos, einen Bürgersteig, Bäume, Büsche, Passanten und beispielsweise zwei Personen, die sich unterhalten, zu konstruieren. Was sie tragen, was für Menschen sie sind, was sie tun, welche Accessoires sie haben, wie sie gestikulieren. Das ist ein erstaunlicher Prozess. Sehr oft, wenn ich ein Kostüm, ein Hemd, ein Kleid, eine Jacke oder einen Blazer sehe, das mir gefällt, entwickle ich eine Figur dafür. So habe ich eine ziemlich große Sammlung von Kostümen aufgebaut, die ich gekauft oder geschenkt bekommen habe und die oft jahrelang darauf warten, dass ich sie verwende.
Das Erstaunliche an diesem Beruf ist, dass jedes Projekt anders ist, unterschiedliche Vorbereitungen erfordert, eine andere Geschichte erzählt, man sich ständig weiterentwickelt und etwas Neues lernt, man Orte besucht, die für die meisten Menschen oft unzugänglich sind. Ich liebe meine Arbeit einfach.
Dziękuję bardzo für das Interview, liebe Grüße nach Polen und bis bald in der Theaterkunst!
Vielen Dank und bis bald!