Theaterkunst Talk
Sabrina Krämer
Der Deutsche Filmpreis in der Kategorie „Bestes Kostümbild“ geht in diesem Jahr an…..Sabrina Krämer für „In die Sonne schauen“! Wir gratulieren ganz herzlich zur LOLA. Zudem wurde ihr Anfang des Jahres der Europäische Filmpreis als „European Costume Designer“ verliehen.
Kostümbildnerin Sabrina Krämer ist Absolventin im Fashiondesign der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle und arbeitete seitdem zunächst als Kostümbildassistentin, Setcostumer und anschließend als Kostümbildnerin bei verschiedenen Film-, Serien- und Theaterproduktionen, wie zum Beispiel „Fabian oder der Gang vor die Hunde“, „Er ist wieder da“, „In den Gängen“, „Tschick“, an Theatern in Leipzig, Halle und Koblenz sowie für Musikvideos der „Beatsteaks“ und verschiedene Werbespots.
„In die Sonne schauen“ erzählt von vier Frauen aus unterschiedlichen Epochen – Alma (1910er), Erika (1940er), Angelika (1980er) und Lenka (2020er) – deren Leben auf unheimliche Weise miteinander verwoben sind. Jede von ihnen erlebt ihre Kindheit oder Jugend auf einem Vierseitenhof, doch während sie ihre eigene Gegenwart durchstreifen, offenbaren sich ihnen Spuren der Vergangenheit.
Mit großer gestalterischer Präzision und einem feinen Gespür für vier verschiedene Zeitebenen, unterschiedliche Atmosphären und eine Vielzahl an Charakteren hat Sabrina Krämer die visuelle Welt des Films, der insgesamt in zehn Kategorien überzeugte, entscheidend mitgeprägt.
Copyright Portrait: Deutscher Filmpreis 2026 / Eventpress // Studio Zentral („In die Sonne schauen) // Zorro Film („In den Gängen“) // Lupa Film GmbH („Fabian oder Der Gang vor die Hunde“)
Theaterkunst
Sabrina Krämer
Wow! Die LOLA! Was waren deine erste Gedanken, als du deinen Namen bei der Verleihung des diesjährigen Filmpreises gehört hast?
In diesem Moment habe ich vor allem Freude und Dankbarkeit empfunden. Eine Auszeichnung wie die Lola ist natürlich eine große persönliche Ehre, aber ich verstehe sie vor allem als Würdigung einer kollektiven künstlerischen Leistung. Kostümbild bewegt sich immer zwischen Recherche, Gestaltung, Handwerk und der Zusammenarbeit mit vielen anderen Gewerken. Dass diese Arbeit gesehen und wertgeschätzt wird, hat mich sehr berührt.
Die Kostüme aus „In die Sonne schauen“ umspannen vier verschiedene Jahrzehnte. Wie bist du an dieses Projekt herangegangen?
Neben den zeittypischen Unterschieden war es uns wichtig, visuelle Verbindungen zwischen den Frauen und ihren Lebenswelten zu schaffen. Dafür haben wir mit wiederkehrenden Elementen gearbeitet – insbesondere mit Schürzen, Schuhen und verschiedenen Formen von Kopfbedeckungen. Diese Kleidungsstücke tauchen in allen Zeitebenen auf, verändern sich aber in Material, Schnitt und Funktion entsprechend der jeweiligen Epoche.
Mich hat daran interessiert, wie bestimmte Kleidungsformen über Generationen hinweg weiterleben können. Eine Schürze beispielsweise erzählt im Laufe der Jahrzehnte immer etwas anderes über Arbeit, Alltag, Fürsorge oder gesellschaftliche Rollenbilder, bleibt aber zugleich ein wiedererkennbares Motiv.
So entstanden visuelle Fäden, die die vier Frauen miteinander verbinden. Die Kostüme sollten nicht suggerieren, dass sich ihre Leben gleichen, sondern vielmehr zeigen, wie Erfahrungen, Traditionen und Erinnerungen über die Zeit hinweg weitergetragen werden. Diese wiederkehrenden Elemente wurden für uns zu einer Art stiller Verbindung zwischen den Generationen.
Wie bist du zum Kostümbild gekommen und was wünschst du dir für dein Gewerk und deine Kolleg*innen?
Zum Kostümbild bin ich gekommen, weil mich schon immer interessiert hat, wie Figuren über ihr Äußeres erzählt werden können. Kleidung ist etwas sehr Alltägliches, gleichzeitig trägt sie Erinnerungen, soziale Zugehörigkeiten, Wünsche und Lebensgeschichten in sich. Mich fasziniert bis heute, dass Kostümbild an der Schnittstelle von künstlerischer Gestaltung, Recherche, Psychologie und Handwerk arbeitet.
Für unser Gewerk wünsche ich mir vor allem Sichtbarkeit und Wertschätzung für die vielen Menschen, die daran beteiligt sind. Kostümbild besteht nicht nur aus Entwurf und Gestaltung, sondern auch aus einem enormen handwerklichen und organisatorischen Aufwand, der oft im Hintergrund stattfindet. Ohne die Kompetenz und das Engagement der KollegInnen in den Werkstätten, Fundi, Garderoben und am Set wäre unsere Arbeit nicht möglich.
Darüber hinaus wünsche ich mir die Zeit und die Ressourcen, die es braucht, um gute Arbeit zu machen. Kostümbild kann einen wesentlichen Beitrag zum Erzählen von Geschichten leisten. Je früher und intensiver es in kreative Prozesse eingebunden wird, desto stärker kann es seine Wirkung entfalten. Und natürlich wünsche ich mir, dass auch die nächste Generation von KostümbildnerInnen gute Bedingungen vorfindet, um dieses vielseitige und wunderbare Handwerk weiterzuführen.
Welchen Tipp würdest du Berufseinsteiger*innen im Kostümbild geben?
Ich würde BerufseinsteigerInnen raten, neugierig zu bleiben und möglichst viele unterschiedliche Erfahrungen zu sammeln. Kostümbild besteht nicht nur aus Entwerfen, sondern auch aus Beobachtung, Recherche, handwerklichem Verständnis und dem Interesse an Menschen. Oft lernt man genauso viel in der Werkstatt, in der Garderobe oder bei der Kostümbetreuung am Set wie am Zeichentisch.
Außerdem halte ich es für wichtig, die Zusammenarbeit mit anderen Gewerken zu suchen. Gute Kostüme entstehen selten isoliert, sondern im Dialog mit Regie, Szenenbild, Maske, Kamera und natürlich den SchauspielerInnen. Je besser man die Perspektiven der anderen versteht, desto stärker wird auch die eigene Arbeit.
Und schließlich würde ich dazu ermutigen, der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen. Trends kommen und gehen, aber eine genaue Beobachtungsgabe, ein Gespür für Figuren und die Freude am Erzählen bleiben die wichtigste Grundlage unseres Berufs. Das sind Fähigkeiten, die man über viele Jahre weiterentwickelt und die eine ganz eigene Handschrift entstehen lassen.
Vielen Dank, dass du und deine Lola euch die Zeit für das Interview genommen habt. Bis bald in der Theaterkunst!
Vielen Dank und bis bald!