Theaterkunst Talk

Esther Walz

Esther Walz hat schon als Jugendliche genäht und erhielt ihre Ausbildung an der Academy of Jewelry Art in New York. Sie schloss ein Kostümbildstudium an der Parson’s School of Design in New York ab. Seit 1980 ist sie im Bereich Kostüm für Fernsehfilme und Kinoproduktionen sowie an Theatern tätig und widmet sich dabei sowohl historischen, futuristischen als auch zeitgenössischen Themen.

Zu ihren aktuellen Produkionen zählen zum Beispiel „The Weight“, „Der perfekte Urlaub“, „Die Affäre Cum-Ex“, „Barbaren“ und „Chantal im Märchenland. Für „Der Staat gegen Fritz Bauer“ erhielt Esther Walz 2016 den Deutschen Filmpreis für das „Beste Kostümbild“. Sie war vorher bereits 5 x für diverse Filme nominiert.

„Virginia Woolf’s Night and Day“ basiert auf dem 1919 erschienen gleichnamigen Roman der Autorin. In London folgt Katherina (Haley Bennett) lieber ihren wissenschaftlichen Ambitionen, statt schnell zu heiraten. Als sie dann noch die Frauenrechtlerin Mary (Lily Allen) trifft, taucht sie in die Welt der gesellschaftlichen Selbstbestimmung ein. Ihr Herz schägt für die Astronomie und plötzlich auch für den modern denkenden Rechtsanwalt Ralph (Elyas M’Barek).

Copright Portrait: Niko Karo // Woolf Comedy Productions Ltd. („Virginia Woolf’s Night and Day”) // Fields Entertainment / Augenschein Filmproduktion (“The Weight”) // zero one film (“Der Staat gegen Fritz besser“)

Theaterkunst

Esther Walz

Mit „Virginia Woolf’s Night and Day“ tauchen wir ins London des Jahres 1910 ein. Was macht diese Produktion und das Kostümbild besonders?

Das Anliegen der iranischen Regisseurin Tina Gahravi und mir war, die Zeit um 1910 authentisch darzustellen; aber dabei nicht wie ein verstaubter Kostümfilm auszusehen. Etwas Frische in ein historisches Kostüm zu bringen, ohne dabei die Kostüme an unsere heutigen Sehgewohnheiten anzupassen und ohne die Epoche dabei zu verfälschen, ist eine nicht zu unterschätzende Aufgabe.

Wie macht die Kleidung bzw. das Kostüm im Film die Themen weibliche Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Wandel sichtbar?

Wir begeben uns mit der Hauptdarstellerin in die Welt der Suffragetten, die in ihrem Kleidungsstil und natürlich in ihren politischen Einstellungen einen klaren Kontrast zu der bürgerlichen Welt Londons darstellen. Wir sehen, wie Katherine nicht nur sich, sondern auch ihre Kleidung verändert, je mehr sie aus der Welt ihres konservativen Vaters ausbricht.

Orientierst du dich bei Buchverfilmungen auch am Ursprungswerk und suchst dort nach Hinweisen für dein Kostümbild?

Selbstverständlich, man liest und Figuren entstehen im Kopf. Dann beginnt die eigentliche Recherche, aber interessanterweise komme ich meist zu intuitiv bereits im Kopf entstandenen Charakteren.

In diesem Fall hatte sich die Drehbuchautorin etwas von der Vorlage entfernt und da es sich um ein relativ autobiographisches Buch handelt, habe ich mich zunächst eher an Virginia Woolf selbst orientiert. Ihre zarten Blusen, ihre Ohrringe finden sich bei unserer Katherine.

Eine Batist Bluse, die sie im späteren Teil des Films trägt. hat einen kleinen Schmetterling im Décolltée – übrigens in der Tk gefunden – das ist ein kleiner Hinweis auf ihr schmetterlinghaftes Wesen.

Wie bist du zum Kostümbild gekommen und was schätzt du ganz besonders an deinem Beruf?

Gewissermassen zufällig, durch die Freunde meiner älteren Schwester, die in einer Wohngemeinschag mit Absolventen der Filmhochschule lebte, als ich Teenager war. Da ich viel nähte, sah Peter F. Bringmann ein Talent in mir und bot mir einen ersten Job als Gardrobiere bei seinem ersten Kinofilm „Theo gegen den Rest der Welt“ (1980) an. Ein paar Jahre später lernte ich Dominik Graf kennen und hatte die Chance, einige Projekte mit ihm zu machen. Von Bernd Eichinger entdeckt, gelang ich als Assistentin zu „Der Name der Rose“. Von dort kam ich zu Wim Wenders und so ging alles seinen Weg.

Ich liebe die Abwechslung bei den Projekten, einen so kreativen Beruf zu haben und die interessanten Themen, die immer wieder ein Eintauchen in die Geschichte erfordern.

Vielen Dank für das Interview und bis bald in der Theaterkunst!

Ich möchte gerne hinzufügen, dass ich mit meinem Team überwiegend die Kostüme in England suchte und herstellten ließ, jedoch fand ich in der Theaterkunst sehr feine Kostüme für die zwei weiblichen Hauptrollen, auf die ich nicht verzichten wollte. Ich danke auch für das Interview!