Theaterkunst Talk
Andreas Krings
Stylist Andreas Peter Krings kleidet sie alle ein. Christian Friedel, Lena Urzendowsky, Valerie Pachner oder den diesjährigen Berlinale-Gewinner İlker Çatak – in seinen Stylings gehen die Stars auf den roten Teppichen dieser Welt auf und ab.
Neben Modemagazinen wie „Die Dame“, „Interview Magazin“ oder „Vogue“ verantwortete er auch Covershootings für „Zeit Magazin“ und „Financial Times – HTSI Magazin“. Zu seinen Kunden zählen Marken wie „Mykita“, „Cartier“ oder „Chanel“.
In seinen Stylings greift der Stylist immer wieder auf Kostümteile aus unserem Fundus zurück. Sei es ein Paar außergewöhnliche Schuhe, eine besondere Krawatte, ein ausgefallenes Tuch oder historischer Schmuck. Wie sprechen mit ihm darüber, was seine Stylings ausmacht und wie er sie mit Fundusstücken kombiniert.
Copyright: Andreas Krings (Portrait), Virgile Guinard (Christian Friedel), Ulrike Rindermann (Valerie Pachner), MYKITA (Max von Gumppenberg), Interview Magazine Shooting (Sharif Hamza)
Theaterkunst
Andreas Krings
Wie bist du zur Mode und Styling gekommen?
Im Grunde war ich schon in meiner Jugend modebegeistert. Fürs Ausgehen habe ich immer meine Freunde gestylt. Dass man so etwas auch als Beruf ausüben kann, war damals nicht in meinem Bewusstsein. Also habe ich nach der Schule erst einmal etwas anderes gemacht und Soziologie und Politikwissenschaften studiert. Nebenbei arbeitete ich in Köln bei der Casting Agentur „Nine Daughters And a Stereo“ – heute „Tomorrow is Another Day“. Wir haben für Designer wie Raf Simons und Hedi Slimane gecastet oder Models für Shootings in Magazinen wie „Arena Homme+“ oder Vogue verbucht. Darüber lernte ich den Beruf des Stylisten kennen und dachte: Das gefällt mir auch.
Welche Stationen deiner bisherigen Laufbahn haben dich besonders geprägt?
Ganz klar meine Zeit bei „TIAD“. Die Gründerin Eva Gödel hat mein Verständnis von High-Fashion wie keine andere geschärft. Bei ihr habe ich erlebt, wie das Modebusiness funktioniert. Aber auch meine Zeit als Redakteur bei Condé Nast hat mich zu dem Stylisten gemacht, der ich heute bin. Ich erinnere mich an Vogue-Shootings mit Karl Lagerfeld oder Peter Lindbergh. Die Vorbereitungen und der Zeitdruck waren enorm. Ein Konzept erarbeiten, um Looks kämpfen, die man im Kopf hatte, aber natürlich ausgerechnet auf einem anderen Shoot waren, die rekordverdächtig vielen Bestellungen jederzeit im Blick behalten. Man lernt jedenfalls, in kürzester Zeit Lösungen für Probleme zu finden, von denen man vorher gar nicht geahnt hat, dass sie aufkommen könnten.
Du ergänzt deine Stylings oft mit Kostümteilen aus unserem Fundus. Was ist die Idee dahinter?
Meine Referenzen für Shootings sind genau genommen immer von Filmen beeinflusst. Wenn ich nach Styling-Ideen für Shootings suche, habe ich nicht selten einen Filmcharakter vor meinem geistigen Auge und entwickle diesen dann weiter. Genauso gehe ich auch Stylings für den roten Teppich an. Es hilft mir, im Vorfeld zu überlegen, was die Individualität einer Person genau ausmacht. Deshalb komme ich auch immer wieder gern zur Theaterkunst. In den Archiven finde ich alle diese besonderen Teile, die bereits eine Geschichte und damit eine persönliche Note mitbringen. Es sind diese Details, mit denen ich die Looks dann vervollständige.
Was inspiriert dich für deine Arbeit? Ziehst du auch Ideen für Looks aus unserem Fundus?
Mein iPhone-Speicher ist im Grunde fast ausschließlich belegt mit Fotos von Fundstücken von euch. Beim Scrollen lahmt mir der Daumen. Die abgebildeten Stücke warten nur auf den richtigen Moment. Die kunstvoll geschnürten Alaïa-Schuhe zum Beispiel oder das rote perlenbestickte Top, das aussieht wie ein Schmetterling. Manchmal liefern mir diese Stücke Impulse für einen Look, oder sie sind dieses eine Detail, das meine Idee von einer Person unterstreicht.
Vielen Dank für das Interview und bis zum nächsten Styling im Fundus.
Ich danke Euch!