Theaterkunst Talk

Sabine Keller

Zum Start der Disney+ Serie „Call My Agent Berlin“ sprechen wir mit Kostümbildnerin Sabine Keller über die Serie, ihre Arbeit und ihre Tipps für den kreativen Nachwuchs.

Die gebürtige Flensburgerin zog es für das Mode- und Textilstudium nach Hamburg, wo sie direkt ihr Herz an die Hansestadt verlor. Unserem Haus ist sie seit Beginn ihrer künstlerischer Laufbahn verbunden, denn sie hat einige Zeit fest in der Hamburger Theaterkunst gearbeitet. Doch ihr war schnell klar, dass sie lieber frei arbeitet und ist als Garderobiere (Setkostüm) ans Filmset von Rosamunde Pilcher nach England gegangen. Bei ihrer zweiten großen Produktion „Das Haus auf dem Hügel“ hat sie sich endgültig ins Set-Leben verliebt und es seitdem nie wieder aufgegeben. Ihre Filmografie ist entsprechend lang. U.a. hat sie das Kostümbild für den Kinofilm “Sterben“ mit Lars Eidinger und Corinna Harfouch entwickelt und auch die Kostüme der Serien „Nachts im Paradies“, „The Mopes“ und „Bad Banks“ tragen ihre unverwechselbare Handschrift.

Ihr neustes Projekt ist die Serie „Call My Agent Berlin”, die am 12.9.2025 auf Disney+ gestartet ist. Ganz nach der französischen Vorlage werden in zehn Folgen Geschichten aus der Schauspielagentur Stern erzählt, wo Stars und Dramen Hand in Hand gehen. Hier kämpfen die Agentinnen und Agenten um die Zukunft der erfolgreichsten Schauspielagentur des Landes – großes Staraufgebot inklusive: Moritz Bleibtreu, Iris Berben, Veronica Ferres, Heike Makatsch, Katja Riemann, Heiner Lauterbach, Emilia Schüle und viele andere.

Copyright: Sabine Keller (Portrait), Disney+ (Call My Agent Berlin),
UFA Fiction (The Mopes), Port au Prince (Sterben)

Theaterkunst

Sabine Keller

Die Serie „Call My Agent Berlin“ verspricht einen amüsanten Blick hinter die Kulissen einer deutschen Schauspielagentur. Wie hast du dich auf dieses große Projekt vorbereitet?

Als erstes habe ich das Original aus Frankreich geschaut, um überhaupt eine Idee der Rollen zu bekommen. Es folgten viele Gespräche mit dem Showrunner Johann Buchholz, um zu verstehen, wie er sich den Look der Serie vorstellt. Zudem gab ein paar Vorlagen, die man gern wie im Original lassen wollte, wie zum Beispiel die Rolle Sascha und auch der junge und alte Chef der Agentur sollten gern wie die im Original sein.

Fürs Kostümbild habe ich mich an Looks aus zum Beispiel Berlin und Paris orientiert, aber auch an alten Designern wie Yves Saint Laurent, den ich für seine Arbeit sehr veehre.

Die Chefs der Agentur sollten eine Art Uniform tragen, die immer gleich aussieht und schnell wiederzuerkennen ist, aber eben auch im Kontrast zu den Kundinnen und Kunden ihrer Schauspielagentur steht.

In der Serie gibt es wahnsinnig viele Rollen und wir sprechen hier vom „who is who“ der deutschen Filmbranche. Wie bist du an die einzelenen Figuren und ihre Kostüme herangegangen?

Ich überlege immer zuerst, wie ich die Schauspieler*innen am besten unterstützen kann, um ihre Bilder und Gefühle in die Rolle zu packen. Manche mögen es, wenn ich ihnen Vorschläge machen, andere bringen sehr viel eigene Ideen mit. Bei den Anproben stehe ich gern in enger Absprache mit meinem Gegenüber und möchte herausfinden, wie die Schauspieler ihre Rolle sehen. Aus diesen Infos, meiner Recherche und meinen eigenen Ideen kreiere ich das Kostüm für die Rolle.

Eine Figur wollte zum Beispiel sehr gern eine Jeansjacke tragen, obwohl das in unseren Moodboards nicht vorkam. Also haben wir es aufgenommen und es hat wunderbar funktioniert. Denn Kleidung erzählt nicht nur eine wichtige Geschichte, sondern sie unterstützt die Schauspieler*innen dabei, vor der Kamera abzuliefern.

Es waren ingsamt so viele Rollen, dass es auf jeden Fall eine große Herausforderung war, denn ich spreche gern vorab mit jedem über seine Rolle. Das Besondere bei „Call My Agent Berlin“ ist, dass sich viele der Schauspieler*innen ja sozusagen selbst spielen. Natürlich ist das auch eine Rolle, aber wir haben einige Klischess aufgegriffem und die Figuren überspitzt dargestellt.

Du hast bei uns quer durch die Epochen ausgeliehen. Designerstücke unserer 1907_curated Initiave waren ebenso dabei wie zeitgenössische Damen- und Herrenteile, aber auch Justaucorps und historische Schnallenschuhe. Was schätzt du ganz besonders an einem Fundus?

Ich muss gleich erstmal loswerden, wie großartig ich die Theaterkunst finde. Eurer Fundus hat so eine unterstützende Ausstrahlung, eine große Wertschätzung uns Kostümbildnder*innen gegenüber und man fühlt sich willkommen. Ganz zu schweigen natürlich von den unfassbaren Fundstücken, die bei euch aufzuspüren sind und die man so in keinem Vintage-Laden finden kann.

Ich durfte für diese Produktion durch alle Zeiten gehen und verschiedene Jahrzehnte mixen. Wir hatten ja so viele Rollen, dass wir bei euch aus den Vollen schöpfen konnten. Vor allem Designer wie Laurent, Prada, Mugler und viele andere findet man im Fundus oft in einem tollen Zustand.

Wir hatten aber auch historische Einlagen, für die ich in der Kostümhalle unterwegs war.

Besonders interessant ist, dass wir wirklich tolle Schätze bei euch gehoben haben und die Stangen voll waren mit ausgefallen und auch einfach ganz normalen, zeitgenössichen Kleidungsstücken. Der Cast hätte sich allerdings ganz oft eher in casual Sachen gesehen. Also am liebsten wären viele in Jogginghose in die Schauspielagentur Stern gekommen. Das ist der Style. Wir hatten zum Glück noch andere Ideen und waren meistens überzeugend.

Wie bist du zum Kostümbild gekommen und was liebst du an deinem Beruf?

Ach, ich verspüre einfach eine große Liebe zum fahrenden Volk. Es ist natürlich nicht immer einfach, so viel unterwegs und wenig zu Hause zu sein. Das war vor allem schwierig, als meine Tochter noch kleiner war. Aber die Liebe zum Beruf ist riesig und ich wollte nichts anderes machen.

Schon als Kind habe ich gern Barbies an- und ausgezogen, Kleider genäht, Schmuck angelegt, mich verkleidet. Heute denke ich manchmal: „Wow…das darf ich immer noch als Erwachsene machen. Als Beruf sogar!“ Aber jetzt eben in der Sprache des Films. Ich wollte schon immer Geschichten erzählen. Ein Bilderbuch klappt sich auf, aber im Film geht es weiter. Es entsteht eine tiefe Welt, die so viel erzählen kann. Als Kostümbildnerin bin ich ein Teil dieser Welt, kann die Rollen gemeinsam mit den Schauspielern erarbeiten, formen und unterstützen.

Das schönste ist es, die Umsetzung am Set und im fertigen Produkt zu sehen. Wenn man wieder merkt, dass Kleinigkeiten einen großen Unterschied in der Figur machen. Man muss schon sehr detailverliebt für diesen Beruf sein. Bei „Call My Agent Berlin“ habe ich meine Leidenschaft für Designermode wieder entdeckt, denn ich durfte tief in die Vintage-Mode eintauchen. Die Schnittführung und Qualität der alten Schnitte sind einfach unglaublich.

Welchen Tipp würdest du Kostümbildner*innen geben, die am Anfang ihrer Karriere stehen?

Habt eine große Liebe zu dem, was wir machen dürfen. Immer dran bleiben! Jedes Projekt ist anders, aber man hört nie auf zu lernen und das ist das Tolle daran.

Auch wenn die Budgets ein großes Problem unseres Gewerks sind, kann ich nur empfehlen, sich auf der einen Seite nicht alles gefallen zu lassen und für sich und sein Team zu kämpfen. Auf der anderen Seite ist es aber auch wichtig, einen gewissen Frieden mit sich und der Situation zu finden, um den Kopf frei zu haben für die kreative Arbeit am Set.

Viele Grüße und vielen Dank für das Interview!

Vielen Dank an euch und bis bald.