Historie

Sie können uns auch Filmkunst nennen.

Berlin 1907: Theaterkunst öffnet als Kostümhaus für Theater, Oper und Revue seine Tore in der Oranienburger Straße und stattet die  großen Berliner Bühnen aus. Dank der engagierten und detailgenauen Arbeit unterstützt Theaterkunst die entstehende Filmkunst und versorgt in den folgenden Jahrzehnten große nationale und internationale Filmproduktionen mit Kostümen.

20er Jahre: Mit den Ausstattungsfilmen der 20er und 30er Jahre entwickelt sich auch die Theaterkunst zu internationaler Größe. So setzt Fritz Lang bei der Ausstattung von METROPOLIS (1926) mit Stars wie Heinrich George auf die Kostüme von Theaterkunst. Auch Marlene Dietrich (DER BLAUE ENGEL,1929) und Henny Porten (ANNA BOLEYN, 1920) werden hier maßgenau eingekleidet. Für die Anprobe der Rüstungen und Gewänder reisen die Hauptdarsteller des Monumentalwerks BEN HUR (1925) per Schiff aus Amerika an.

30er Jahre: Die Theaterkunst hat internationale Dependancen in New York, Amsterdam, London, Kopenhagen und Stockholm. Zeitweise widmen sich 300 Mitarbeiter der Ausstattung von Filmen und Theaterstücken. 1936 muss der Gründer und Eigentümer der Theaterkunst, Hermann J. Kaufmann, das Unternehmen unter politischem Druck verkaufen. In dieser Zeit werden die großen Ernst-Lubitsch- und Joe-May-Filme ausgestattet mit Stars wie Pola Negri und Emil Jannings, es entstehen Werke wie DER KONGRESS TANZT (1931) oder MADAME BOVARY (1937).

40er Jahre: Während des 2. Weltkrieges wird der Fundus der Theaterkunst erheblich beschädigt und kann erst nach Kriegsende  wieder aufgebaut werden. Das Unternehmen wird zweigeteilt – während die Verwaltung in den Westteil Berlins umzieht, entsteht in der Schwedter Straße der VEB Fortschritt Theaterkunst. Die beiden Firmen konkurrieren im Nachkriegsberlin.

Zu den großen Produktionen, die in diesem Jahrzehnt ausgestattet werden, zählen die 1940 in Venedig preisgekrönte Verfilmung von Puschkins DER POSTMEISTER und die  Gottfried-Keller-Verfilmung  KLEIDER MACHEN LEUTE (1940).

50er und 60er Jahre: Die Westberliner Theaterkunst zieht in die Eisenzahnstraße. 1952 wird in der neuen Filmhauptstadt München ein weiterer Fundus eingerichtet. 1953 stellt der VEB Theaterkunst im Ostteil der Stadt den Betrieb ein.

In den folgenden Jahren werden im Westen gezielt der Kostümbestand, die Fachbibliothek und die thematische Blattsammlung aufgebaut. Preisgekrönte Filme wie DES TEUFELS GENERAL (1955), LOLA MONTEZ (1955), DIE BRÜCKE (1959), Billy Wilders EINS; ZWEI; DREI (1961) sowie die Karl-May- und Edgar-Wallace-Verfilmungen werden mit Kostümen der Theaterkunst ausgestattet. In den 60er Jahren erreicht der Kostümbestand der Theaterkunst wieder die Größe wie vor dem II. Weltkrieg.

In den 70er und 80er Jahren gestaltet Theaterkunst mit Fernsehfilmen, zum Beispiel  RAUMPATROUILLE ORION (1966), TADELLÖSER  & WOLFF (1975), DAS BOOT (1979) und den Fassbinder-Verfilmungen, wie BERLIN ALEXANDERPLATZ (1980), die Film- und Fernsehgeschichte mit. Durch die Entwicklung des Privatfernsehens entsteht ein neuer Markt, der einen größeren Bedarf an modernen Kostümen und aktueller Mode mit sich bringt.

In den 90er Jahren werden zwei weitere Häuser an den neuen Medienstandorten Hamburg und Köln eröffnet. Theaterkunst stattet inzwischen neben Kinofilmen - u.a. DAS GEISTERHAUS (1993), DER SOLDAT JAMES RYAN (1998), LOLA RENNT (1998) - und Theaterinszenierungen auch aktuelle TV-Produktionen, Werbefilme, Fotoproduktionen, Musikvideos und Events aus.

2000 - 2010: Die Theaterkunst konzentriert sich wieder auf seinen Hauptstandort in Berlin. 2002 wird der Fundus in München geschlossen, 2008 auch der in Köln. Das Stammhaus in Berlin wird kontinuierlich ausgebaut und ist Ausgangspunkt für große nationale und internationale Filmproduktionen, darunter Produktionen wie INGLORIOUS BASTERDS (2009), SHUTTER ISLAND (2010) oder DAS WEISSE BAND (2008).

Auch Foto- und Videoproduktionen, darunter Musikvideos für WIR SIND HELDEN, ROSENSTOLZ, PETER FOX und RAMMSTEIN werden mit Kostümen von Theaterkunst ausgestattet.

2007 widmet die Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen dem Unternehmen Theaterkunst anlässlich des 100. Geburtstages die Sonderausstellung "Filmkostüme! Das Unternehmen Theaterkunst".  Gezeigt werden Original-Filmkostüme, Fotos und Entwurfszeichnungen von den 1910er Jahren bis zum zeitgenössischen deutschen Film.

Die Ausstellung wurde gemeinsam mit Theaterkunst konzipiert. Sie ist am Potsdamer Platz in Berlin zu sehen und wird in den folgenden Jahren auch in Hamburg, Hannover und Düsseldorf gezeigt.

Seit 2011: Ende 2013 schließt das Unternehmen auch die Dependance in Hamburg. Über 25.000 Kostümteile und Accessoires aus den 50er, 60er, 70er bis 2010er Jahren ziehen um in das Berliner Stammhaus. Die neuen Stücke werden sukzessive in die deutschlandweit größte Sammlung historischer und aktueller Filmkostüme integriert.

Zu den preisgekrönten Produktionen, die aktuell von der Theaterkunst ausgestattet wurden, zählen u. a. HOMELAND (2011), THE GRAND BUDAPEST HOTEL (2014), DEUTSCHLAND 83 (2015), SENSE 8 (2015), TONI ERDMANN (2016), BERLIN STATION (2017) und AUS DEM NICHTS (2017).

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